Welche Farben assoziiert man mit welchen Buchstaben? Welche Funktion hat Gestik im Fremdsprachenunterricht? Und zum Beispiel auch das Werk „Zur Produktivität von komplexen adjektivisch gebrauchten Partizipien Präsens und Perfekt in der deutschen Gegenwartssprache“ von Darko Čuden. Klingt sensationell und weckt Interesse, nicht wahr? Aber obwohl wir, Ave, Ingel und Meeli, vor dem Beginn des oben genannten Vortrags etwas skeptisch waren und uns auf ein sehr sachliches grammatisches Thema einstellten, vergingen die 30 Minuten wie im Fluge. Der Vortrag war gut aufgebaut, mit erklärenden, lustigen Beispielen illustriert, also interessant gemacht. Man konnte schon sehen, dass der Redner mit dem Publikum kommunizierte, was das Folgen sehr leicht machte. Eine erfreuliche Überraschung.
Besonders informativ und nützlich fanden wir die Erfahrungen der finnischen Germanisten, wie sie Studenten für ein Semester in Deutschland vorbereiten und durch ihren Auslandsaufenthalt begleiten. Wie viele andere Teilnehmer, geriet auch Annette Winter-Tarvainen in Zeitdruck. Weil ihr Thema uns als Studentinnen sehr betraf, hätten wir gerne eine Ausnahme gemacht und ihr länger zugehört. Es ist verständlich, dass die Vorträge, die die vorgegebene Zeit überschreiten, störend wirken. Aber das sonst ruhige Ambiente wurde manchmal doch aufgeregt und hektisch, wenn man ständig auf die Zeit deutete. Hätte man beispielsweise nicht die Finnin weiterreden lassen und einige Minuten der Kaffepause stehlen können?
Zwischen den meistens unterhaltsamen Vorträgen kamen auch manche sehr wissenschaftliche und spezifische Texte vor, die eher abgelesen wurden. Ihnen waren leider schwer zu folgen, denn Lesen geht schneller als freies Sprechen und lässt dem Publikum weniger Zeit zum Verstehen und Mitdenken. Besonders für Anfänger wie wir es sind. Jeder Vortrag gab jedoch Anlass zu einer interessanten Diskussion - natürlich wenn die Zeit ausreichte.
Es war eine informative und empfehlenswerte Germanistenkonferenz. Eine gute Gelegenheit sich mit allen vorstellbaren Themen bekannt zu machen. Habt ihr schon gewusst, dass es im Estnischen mehr Emotionsverben zum Gefühl „Erstaunen“ gibt als im Deutschen? Dass das Wort „Kartoffel“ aus dem Italienischen stammt und mit dem Trüffelpilz zu verbinden ist und welche bedeutende Rolle Linguistik im Bereich der Kriminalistik spielt?
von Meeli Soilts

