Montag, 7. Mai 2007

Etliche Gedanken zu BaROCK

Prolog

Sandsturmsaison, auch Frühling genannt. Auf den Straβen den Mund lieber geschlossen halten, nicht atmen, die Augen fest zudrücken. Man wünscht sich, man wäre zu Hause geblieben, oder mindestens so gut gegen Sandstürme gewappnet, wie Kamele in der Sahara. Und noch etwas ganz lebenswichtiges zum Überleben in diesem urbanen Geschehniss – nicht lächeln! Oh der feine Geschmack des Sandes, dazu noch ein bisschen Staub und... mehr will man nicht mehr wissen. Also: nicht lächeln.

BaROCK

Freitag, der 30. März. Meine gute Freundin hat zwei Karten für „Italienische BaROCKvirtuosen” und lädt mich ein. Gut aussehende Jungs an der Garderobe nehmen unsere Jacken, alles ist sehr angenehm. Wir gehen in den Konzertsaal und unterhalten uns. Es gibt ganz wenig Menschen, diese Tatsache stört uns jedoch nicht – wir können noch ruhig 15 Minuten plaudern, bis das Konzert anfängt. Die Zeit vergeht und plötzlich wird die Beleuchtung ausgemacht. Was? Wie? Das kann doch nicht sein... Der Saal ist halb leer, vielleicht sogar mehr als halb leer. Ich habe mir immer vorgestellt, dass Tartu die Kulturhauptdstadt von Estland ist. Vielleicht auch nicht. Die erste Viertelstunde war ich traurig und beschämt, als wäre ich dafür verantwortlich, dass es so wenig Zuhörer gibt. Ich hoffte, dass es im Saal zu dunkel ist, um die freien Plätze zu sehen. War es aber nicht...

Ich habe mich immer für Rock interessiert, aber als kleines Kind, war meine „Lieblingsband” das London Philarmonic Orchestra und mein Lieblingskomponist Mozart. Das heiβt jedoch nicht, dass ich von Musik unheimlich viel weiβ, ich finde sie einfach schön.

Dieses Konzert war wirklich ein besonderes, einzigartiges Erlebnis, eine Mischung aus Klassik, Progerock, wilden Gefühlen und Pink Floyd. Dazu noch wunderschöne superschnelle metallartige Solos. Ich war begeistert! Ich würde nicht sagen, dass diese Musik nur für Fortgeschrittene geeignet ist, aber natürlich muss man schon einige Erfahrungen mit „anders-als-nur-Popmusik” gemacht haben.

Noch ein Extra dabei war Andres Mustonen, der schon eine Legende ist. Er sah aus wie Einstein mit Geige – seltsam, künstlerisch und wie ein Bohème. Ich habe noch nie gesehen, dass jemand die Geige mit solcher Leidenschaft und so lebhaft spielt, so dass die Fäden des Geigenbogens reiβen. Ich habe nur zwei Mal in meinem Leben gefühlt, dass ich ein Konzert nochmal besuchen möchte. Dies war das zweite Mal.

Epilog

Es ist neun Uhr am Abend, nicht weit weg vom Rathausplatz. Es dunkelt schon. Zwei Jungs mit Sportanzügen und weiβen Turnschuhen gehen vor mir. Glockenspiel.

- „Hä? Schon wieder dieses Lied! Ist jetzt schon wieder Weihnachten, oder was?”

Nein, lieber junger Mann. Brahms ist das, "Guten Abend, gute Nacht".

von Riina-Ingel Keskpaik

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